Beim Factoring werden unbezahlte Rechnungen in sofortige Liquidität umgewandelt, indem sie mit einem Abschlag an einen Finanzierer verkauft werden; ein Betriebsmittelkredit ist ein kurzfristiges Darlehen, das durch Forderungen oder Vorräte besichert ist. Für den Finanzierer birgt das Factoring zwei Ebenen des Kreditrisikos – jenes des Kreditnehmers und jenes des Schuldners, der die Rechnung bezahlt –, während ein Betriebsmitteldarlehen mit fester Laufzeit nur eine Ebene aufweist, die an dessen Sicherheiten gebunden ist.
Rechnungs-Factoring und Betriebskapital aus Sicht des Kreditgebers
Was ist Invoice Factoring, und was ist ein Betriebsmittelkredit?
Invoice Factoring ist eine rechnungsbasierte Finanzierung, wenn das Unternehmen bereits Kunden hat, die für seine Leistungen bezahlen. Das Unternehmen überträgt in diesem Fall die dafür infrage kommenden Forderungen an einen Finanzierer, der im Gegenzug Zugang zu Kapital erhält.
Die Rückzahlung an den Kreditgeber ist an den zugrunde liegenden Schuldner geknüpft, wobei die Rechnung wie eine Hintergrundinformation behandelt wird. Die Zahlungsfähigkeit des Kunden wirkt sich jedoch unmittelbar auf die Beitreibung der Forderung aus. Handelt es sich um einen Betriebsmittelkredit, funktioniert dieser anders: Der Kreditgeber stellt dem KMU Mittel bereit, um den laufenden Betriebsbedarf oder die Geschäftsentwicklung zu decken. Wenn ein Unternehmen Ausrüstung oder Nutzfahrzeuge kaufen oder Lagerkapazitäten erweitern möchte, kann es bei einem bestimmten Kreditgeber ein Darlehen beantragen.
Was ist Debt Factoring?
„Debt Factoring“ ist ein Begriff, der üblicherweise anstelle des Begriffs „Debt Factoring“ verwendet wird. Die beiden Begriffe sind identisch. Debt Factoring bedeutet, dass ein Unternehmen unbezahlte Kundenrechnungen in Finanzierung umwandelt, um die Verbindlichkeit gegenüber dem Kreditgeber zurückzuzahlen. Die Rechnungsfinanzierung (Invoice Financing) ist jedoch etwas anderes. Dabei nutzt der Kreditnehmer die Forderungsbücher als Sicherheit, verwaltet die Rückzahlungen weiterhin selbst und bleibt dafür verantwortlich.
Invoice Factoring vs. Invoice Financing vs. Betriebsmittelkredit mit fester Laufzeit
Invoice Factoring, Invoice Financing und ein Betriebsmittelkredit mit fester Laufzeit können allesamt kurzfristigen Geschäftsbedarf finanzieren, doch der zugrunde liegende Mechanismus und die Rückzahlungsbedingungen unterscheiden sich. Die nachstehende Tabelle betrachtet alle drei Modelle im Detail.
| Dimension | Invoice Factoring | Invoice Financing | Betriebsmittelkredit mit fester Laufzeit |
|---|---|---|---|
| Was den Kredit besichert | Verkaufte oder abgetretene Rechnung | Verpfändetes Forderungsbuch | Allgemeine Forderungen, Vorräte oder sonstige Geschäftsvermögenswerte |
| Wer tatsächlich zahlt | Der Schuldner zahlt direkt an den Finanzierer | Der Schuldner zahlt an den Kreditnehmer, und der Kreditnehmer zahlt anschließend an den Finanzierer zurück. | Der Kreditnehmer zahlt aus dem operativen Cashflow zurück |
| Typische Laufzeit | Ein kurzer Zyklus, der an das Fälligkeitsdatum der Rechnung gekoppelt ist, innerhalb einer Kreditstruktur von 4 bis 16 Monaten | Ähnliche rollierende Forderungszyklen | Fester Rückzahlungsplan zwischen 4 und 16 Monaten |
| Woher das Risiko des Kreditgebers stammt | Zweistufig: Kreditnehmer plus Schuldner | Zweistufig: Kreditnehmer als Gegenpartei plus Schuldner hinter den Forderungen | Einstufig, Kreditrisiko des Kreditnehmers, mit Verwertung abhängig von der Qualität der Sicherheiten |
| Was bei Zahlungsausfall geschieht | Der Finanzierer verfolgt Schuldner und Kreditnehmer je nach Rückgriffszeitpunkt | Der Kreditnehmer bleibt haftbar; verpfändete Forderungen unterstützen die Verwertung | Der Kreditgeber kann Sicherheiten gemäß LTV verwerten und Kreditbedingungen |
Diese Tabelle beschreibt allgemeine Finanzierungsmechaniken und kein konkretes Angebot. Risikoverteilung und Rückgriffsmöglichkeiten hängen von den Bedingungen des jeweiligen Projekts und der Rechtsordnung ab. Es handelt sich nicht um eine Anlageempfehlung, und das Kapital bleibt Risiken ausgesetzt.
Warum Invoice Factoring eine doppelte Ebene des Kreditrisikos mit sich bringt
Invoice Factoring bringt ein Risiko mit sich, das ein Betriebsmittelkredit mit fester Laufzeit nicht hat, und zwar das Kreditrisiko des Kreditnehmers. Da der Kreditgeber die Seriosität des Unternehmens, den potenziellen Erfolg und Umfang der Geschäftstätigkeit sowie die finanzielle Stabilität des Unternehmens beurteilen muss, weisen KMU-Kreditnehmer im Invoice Factoring ein völlig anderes Risikoprofil auf als Kreditnehmer von Betriebsmittelkrediten.
Der nächste Aspekt ist der Schuldner, also das Unternehmen, das den Kreditgeber zurückzahlen muss, indem es die Finanzierung aus den Rechnungen erhält. Selbst wenn ein KMU selbst weiterhin operativ tätig bleibt, kann ein Kunde, der seine Zahlungsverpflichtungen aus der Rechnung nicht fristgerecht erfüllt, das gesamte Verfahren der Schuldenrückzahlung gefährden, da das Unternehmen diese Mittel nicht nutzen kann.
Wer finanziert Invoice Factoring?
Invoice Factoring wird aus vielen verschiedenen Quellen finanziert, darunter Private-Credit-Investoren auf Seiten der Kreditgeber, Crowdlending-Plattformen, die Projekte bereitstellen für den Ankauf von Forderungen, sowie Nicht-Bank-Finanzierungen von Fonds, Organisationen und Einzelinvestoren. Der wichtige Punkt, den der Investor berücksichtigen sollte, ist die Feststellung, welche Partei die Rückzahlungsverpflichtung trägt und in welchem Umfang eine Gegenpartei haftet, falls die Zahlung ausfällt.
Was ein Kreditgeber bei einem forderungsbesicherten Kredit prüft
Eine durch Forderungen besicherte Kreditvergabe erfordert eine Bestätigung, dass die Rechnung tatsächlich existiert. Der wichtigste Aspekt ist die Schuldnerkonzentration, da sie eine unterschiedliche Risikoexponierung bedeutet. Angenommen, das KMU hat insgesamt 15 Kunden, und 1 Kunde bringt 65 % der Gesamtforderungen. Für den Kreditgeber bedeutet dies, dass das finanzielle Risiko deutlich steigt, wenn dieser Kunde seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt oder aufhört, das Unternehmen zu bezahlen. Aufgrund der ungleichmäßigen Konzentration hat ein Kunde einen überproportionalen Einfluss auf die finanziellen Ergebnisse des Unternehmens. Deshalb kann eine Mehrzahl voneinander unabhängiger Schuldner das Konzentrationsrisiko verringern, es jedoch nicht vollständig beseitigen.
Die Altersstruktur der Rechnungen ist der zweite Aspekt, denn aktuelle Rechnungen weisen ein anderes Risikoprofil auf als unbezahlte Rechnungen, die seit Monaten offen sind. Der Unterschied besteht darin, dass eine Rechnung, die monatelang unbezahlt bleibt, dem Kreditgeber signalisieren kann, dass die Inkassopraktiken des Unternehmens und der Mechanismus des Kapitalschutzes nicht ordnungsgemäß funktionieren.
Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist der Umschlag, denn der Kreditgeber kann prüfen, wie Rechnungen normalerweise in liquide Mittel umgewandelt werden und ob das Muster über die Zeit stabil bleibt. Ebenso ist die Rechnungsprüfung ein weiterer Aspekt, der für den Kreditgeber von Bedeutung ist. Der Kreditgeber muss möglicherweise nachweisen, ob das Unternehmen seine Verpflichtungen gegenüber dem Kunden ebenfalls erfüllt hat und ob die Rechnungen echt sind und einen tatsächlichen Geschäftsvorgang abbilden. Bestehen bestimmte Streitigkeiten zwischen dem Kunden und dem Unternehmen, kann dies auf ein anderes Risikoprofil hindeuten.
Ist Invoice Factoring besichert?
Invoice Factoring ist in der Regel mit den konkreten Forderungen oder Rechnungen verknüpft, die dem Finanzierer helfen, einen definierten Rückzahlungsmechanismus aufzubauen. Da der Kunde jedoch die Zahlung der Rechnung verweigern und damit einen Rechtsstreit auslösen kann oder das Unternehmen insolvent werden kann, können die unterschiedlichen Situationen zu unterschiedlichen Risikoprofilen führen. Insgesamt wird das Kreditrisiko nicht beseitigt.
Wie sich ein Zahlungsausfall des Schuldners für einen Kreditgeber auswirkt
Invoice Factoring und Betriebsmittelkredite sind nicht risikofrei: Beim Factoring ist der Finanzierer sowohl der Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers als auch der des Schuldners ausgesetzt; bei einem Kredit mit fester Laufzeit dem Kreditnehmer und den dahinterstehenden Sicherheiten – und kein Provision Fund beseitigt diese Exponierung.
Die Beilegung von Streitigkeiten um unbezahlte Rechnungen hängt davon ab, ob die Vereinbarung mit oder ohne Rückgriff (Recourse bzw. Non-Recourse) ausgestaltet ist. Bei einer Vereinbarung mit Rückgriff bleibt das KMU dem Kreditgeber gegenüber verpflichtet, selbst wenn der Kunde die Rechnung nicht bezahlt. Bei einer Vereinbarung ohne Rückgriff trägt der Schuldner das Risiko überwiegend gemeinsam mit dem Geldgeber. Die konkreten Umstände hängen jedoch weiterhin vom Vertrag und von den Rahmenbedingungen der Zahlung ab.
Was passiert, wenn der Schuldner nicht zahlt?
Zahlt der Schuldner nicht, richtet sich der Kreditgeber nach den im Finanzierungsvertrag festgelegten Bestimmungen. Zu den Mechanismen für den Umgang mit nicht beglichenen Forderungen gehören der Einzug beim Schuldner, die Geltendmachung einer Rückzahlungsverpflichtung des KMU oder die Verwertung der Sicherheiten mit Erstattung an den Investor nach erfolgreicher Liquidation.
Wo sich Invoice Factoring in der breiteren Landschaft der KMU-Finanzierung einordnet
Invoice Factoring ist eine der Möglichkeiten, kurzfristige Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Weitere sind Betriebsmittelkredite mit fester Laufzeit, lagerbesicherte Kredite und andere Formen der KMU-Kreditvergabe. Jede dieser Formen löst eine ähnliche Reihe von Problemen, jedoch mit unterschiedlichen Rückzahlungs- und Rechtsstrukturen.
Die Rückzahlungsquelle ist für den Investor, der Geld verleiht, das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Invoice Factoring und Invoice Financing beruhen darauf, dass der Schuldner erstatten und zurückzahlen kann, weil Forderungen vorhanden sind, die die Verbindlichkeit abdecken, während ein Betriebsmittelkredit primär vom KMU-Kreditnehmer abhängen kann, wobei Sicherheiten den Kredit für den Fall besichern, dass der Kreditnehmer die Schuldentilgung nicht fortsetzen kann.
Die Renditen forderungsbasierter Kredite können mithilfe der annualisierten Rendite (Annualized Return on investment bzw. AROI) nach folgender Formel berechnet werden:
AROI = (Erwartete Erträge / Restlaufzeit) * (365 / erworbenes Nominalkapital)
Das Risiko unterscheidet sich dennoch erheblich, da der Rückzahlungsweg variiert. AROI berechnet erwartete, nicht zugesicherte Renditen; der Investor sollte daher die Analyse der Schuldenstruktur, des KMU oder des Instruments nicht durch die Kennzahl AROI ersetzen.
FAQ
Was ist Invoice Factoring?
Invoice Factoring ist das Verfahren, unbezahlte Kundenrechnungen mit einem Abschlag an den Geldgeber zu verkaufen, um sofort Liquidität zu erhalten. Kommt das Invoice Factoring vom Kreditgeber, so handelt es sich um die Rückzahlung durch den in der Rechnung genannten Schuldner und nicht unmittelbar durch den Kreditnehmer. Die Rückzahlungsstruktur hängt davon ab, ob die Vereinbarung mit oder ohne Rückgriff (Recourse bzw. Non-Recourse) geschlossen ist.
Was ist Debt Factoring?
„Debt Factoring“ ist eine andere Bezeichnung für „Invoice Factoring“; in der Regel sind diese Begriffe vollständig austauschbar. „Invoice Financing“ ist ein anderer Begriff und beschreibt die Situation, in der der Kreditgeber Forderungen bündelt, um den Kredit zu besichern. Beim Invoice Financing werden üblicherweise keine einzelnen Rechnungen verkauft.
Wer finanziert Invoice Factoring?
Invoice Factoring wird von Nichtbanken-Kreditgebern, privaten Kreditfonds und Crowdlending-Plattformen finanziert. Das Kapital kann sowohl von institutionellen als auch von privaten Investoren stammen. In jedem Fall wird der Kredit unmittelbar durch die Forderung des Kontos finanziert.
Was passiert, wenn der Schuldner nicht zahlt?
Zahlt der Schuldner nicht, bestehen mehrere Mechanismen der Schuldenrückzahlung, darunter der Forderungseinzug, die Geltendmachung einer Rückzahlungsverpflichtung durch das KMU oder die Verwertung der Sicherheiten zur Erstattung an den Kreditgeber. Der genaue Rahmen wird jedoch durch die Art der Kreditvereinbarung und durch die Frage bestimmt, ob diese Vereinbarung mit oder ohne Rückgriff (Recourse bzw. Non-Recourse) geschlossen ist.
Ist Invoice Factoring besichert?
Ja, Invoice Factoring ist durch die konkreten Konten oder Forderungen besichert, doch „besichert“ bedeutet nicht „vollständig geschützt“. Der Kreditgeber trägt weiterhin ein Kreditrisiko und kann einen teilweisen oder vollständigen Kapitalverlust erleiden, wenn die Vereinbarung und der Einzug scheitern. Die Besicherung des Kredits kann Verluste begrenzen, beseitigt das Kreditrisiko aber nicht. LTV ist die Kennzahl, die den Wert der Sicherheiten im Verhältnis zur Kredithöhe berechnet.
Maclear AG ist eine Schweizer Plattform für Peer-to-Peer (P2P) Kredite und Crowdlending mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen fungiert als Finanzintermediär im nicht-bancaren Sektor und ist Mitglied von PolyReg SRO, gemäß den schweizerischen Finanzvorschriften, insbesondere in Bezug auf AML, KYC und GDPR. Maclear ermöglicht es privaten und qualifizierten Investoren, auf sorgfältig ausgewählte Unternehmensdarlehen zuzugreifen, mit integrierter Risikobewertung, einem Provision Fund und einem Sekundärmarkt für Liquidität.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlage-, Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Peer-to-Peer (P2P) Kredite und Investitionen in Crowdlending bergen das Risiko eines teilweisen oder vollständigen Kapitalverlusts. Frühere Leistungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die Liquidität auf einem Sekundärmarkt ist nicht garantiert. Die Leser werden aufgefordert, eigene Recherchen durchzuführen und qualifizierte Berater zu konsultieren, bevor sie finanzielle Entscheidungen treffen. Die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen kann in bestimmten Rechtsordnungen eingeschränkt sein.