Direct Lending erklärt: Wer verleiht, wenn es keine Bank ist

03.09.2026

7 Min.

Aktualisiert: 03.09.2026

Direct Lending ist die Kreditvergabe an Unternehmen ohne zwischengeschaltete Bank: Der Kreditgeber finanziert den Kredit, hält ihn bis zur Endfälligkeit und trägt das Kreditrisiko unmittelbar. Der Zugang erfolgt über Direct-Lending-Fonds – traditionell mit hohen Mindestanlagen und Haltefristen – oder über eine Crowdlending-Plattform, auf der einzelne Kreditforderungen ab 50 € erhältlich sind. Renditen sind in beiden Fällen nicht garantiert.

Was ist Direct Lending?

Direct Lending bezeichnet eine Situation, in der ein Kreditgeber, der keine Bank ist, einem Unternehmen ein Darlehen gewährt und sich dann aufgrund des Kreditvertrags das Recht auf Rückzahlung der Schuld vorbehält sowie das daraus resultierende Kreditrisiko trägt.

Die wirtschaftliche Grundlage bleibt erkennbar: Der Kreditnehmer erhält Kapital von der Privatperson und verpflichtet sich, feste Zinsen zu zahlen, bis die Forderung fällig wird, und dann den Kapitalbetrag zurückzuzahlen. Allerdings verändern sich im Vergleich zu einem üblichen Bankdarlehen die Kapitalquelle und die Partei, die letztlich das kreditnehmerbezogene Risiko trägt.

Ein Direct-Lending-Fonds kann Kapital von vielen Investoren einsammeln, die es bereitstellen, und zudem professionelle Investoren einsetzen, die anschließend die Allokation der Mittel für die Kreditgeber verwalten. Eine Crowdlending-Plattform wie Maclear kann stattdessen die Kredite an KMU in einzelne Forderungen aufteilen, sodass ein Investor Risikopositionen direkt auswählen und die Forderungen mit relativ geringem Investitionsbetrag zweckgerichtet einsetzen kann.

Wie funktioniert Direct Lending Schritt für Schritt?

Der Schritt-für-Schritt-Prozess des Direct Lending beginnt mit einem Unternehmen, das den Antrag auf Finanzierung beim Kreditgeber einreicht. Anschließend prüft der Kreditgeber alle Informationen über das Unternehmen, einschließlich der Geschäftshistorie, der historischen Performance, des internen Risiko-Scores und der verfügbaren Unterlagen. Sobald der Investor zu dem Ergebnis kommt, dass eine vertragliche Verpflichtung begründet werden kann und dem Kreditnehmer ein Darlehen zugeordnet wird, muss der Kreditnehmer die planmäßigen Zinszahlungen leisten und den Kapitalbetrag zurückzahlen, wenn die Forderung fällig wird.

Wie ein Investor tatsächlich Zugang erhält

Direct Lending ist eine Anlageklasse, dennoch ist der Zugang über unterschiedliche Strukturen und Mechanismen möglich. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die möglichen Wege, diese Klasse zu erreichen.

Bankdarlehen, Direct-Lending-Fonds und Crowdlending-Plattform im Vergleich hinsichtlich Mindestanlage, Kreditprüfung, Gebühren, Liquidität und Kontrolle.
DimensionBankdarlehenDirect-Lending-FondsCrowdlending-Plattform
Wer stellt das Kapital bereitBilanz der BankInvestoren über einen verwalteten FondsEinzelne Investoren, die Kreditforderungen finanzieren
Wer prüft den KreditnehmerKreditabteilung der BankFondsmanagerDie Plattform führt die Due Diligence durch
Für Privatanleger zugänglichIndirektHistorisch überwiegend professionelle Anleger; einige neuere Fonds mit EU-Sitz erlauben den Zugang für PrivatanlegerJa, abhängig von der Zulassungsprüfung der Plattform
MindesteinstiegFür Privatanleger nicht verfügbarTraditionell hoch, variabelAb 50 € pro Forderung
Vom Anleger zu zahlende GebührenNicht zutreffendManagement- und möglicherweise weitere FondsgebührenKeine Eintrittsgebühr, Verkäufergebühr am Secondary Market von 2,5 %
Liquidität vor FälligkeitFür Privatanleger nicht relevantAbhängig von der Fondsstruktur, Haltefristen können geltenNur über den Secondary Market, wobei der Verkauf nicht garantiert ist
Kontrolle darüber, welcher Kreditnehmer finanziert wirdKeineAuswahl des ManagersDer Anleger wählt manuell oder über AutoInvest aus

Die Merkmale variieren je nach Fonds, Plattform und einzelnem Kredit. Gebührenhöhe, Mindestbeträge und Liquiditätsbedingungen unterscheiden sich zwischen den Anbietern. Es besteht ein Kapitalverlustrisiko; Renditen sind nicht garantiert.

Wer kann in Direct Lending investieren?

Direct-Lending-Fonds setzten traditionell einen professionellen Anlegerstatus und hohe Mindestbeträge voraus; einige in letzter Zeit entstandene EU-Fondsstrukturen stehen auch Privatanlegern offen, behalten dabei jedoch Haltefristen und Managementgebühren bei. Auf Crowdlending-Plattformen verläuft der Anlageprozess anders. So kann beispielsweise ein Anleger, der Maclear nutzt, eine einzelne Forderung ab 50 € erwerben, wobei die Mittelallokation entweder manuell durch den Anleger erfolgt, der sich für den Kauf eines bestimmten Projekts entscheidet, oder automatisch über AutoInvest, wobei der Anleger bis zu 10 Strategien mit den gewünschten Projektparametern einrichten kann.

Wie hoch ist die Mindestanlage im Direct Lending?

Für Direct Lending gibt es keinen standardisierten Mindestbetrag, denn historisch betrachtet erforderte Direct Lending ein hohes, substanzielles Engagement, wobei der Anleger in der Lage sein musste, umfangreiches Kapital bereitzustellen. Heute kann der Anleger jedoch kleinere Forderungen auf einer Crowdlending-Plattform erwerben und so den anfänglichen finanziellen Einsatz verringern.

Was der Kreditgeber prüft, bevor er einen Kredit finanziert

Bei der Direktkreditvergabe steht die Beurteilung des Kreditnehmers im Zentrum des Prozesses, da die Leistungsfähigkeit des Unternehmens als Kreditnehmer darüber entscheidet, wann und wie die Schuld zurückgezahlt wird.

Der Due-Diligence-Prozess auf Crowdlending-Plattformen beginnt in der Regel mit der Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten (Ultimate Beneficial Owner, UBO). Anschließend ermittelt die Plattform die bisherige Geschäftstätigkeit des Unternehmens, seine finanzielle Bonität, die verfügbaren Sicherheiten und die möglichen Kreditbedingungen. Die Plattform erstellt daraufhin eine interne Risikobewertung des jeweiligen Kreditnehmers, wobei der Kreditgeber diese Informationen prüfen kann, bevor er einen Kredit gewährt.

Die für den Kredit verpfändeten Sicherheiten sind ein wichtiger Betrachtungsaspekt. Sicherheiten werden anhand der LTV-Kennzahl und der folgenden Formel berechnet:

LTV = Kreditbetrag / Wert der Sicherheit * 100

Ein konservativerer LTV unter 100 % bietet einen größeren Sicherheitenpuffer, während ein höherer LTV volatiler sein kann, da Teile des Kredits nicht durch die Sicherheit gedeckt sind. Weitere aussagekräftige Indikatoren zur Beurteilung des Kredits sind der Verschuldungsgrad bzw. das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital (D/E). Verschiedene Plattformen und Projekte beurteilen unterschiedlich, welches D/A-Verhältnis als plausibel gilt.

Risiken und Grenzen für Privatanleger

Direktkreditvergabe bedeutet, das Kreditrisiko unmittelbar zu tragen: Der Kreditnehmer kann ausfallen, der Kredit lässt sich nicht jederzeit verkaufen, und Sicherheiten, Risikobewertung sowie ein Provision Fund verringern die Möglichkeit eines Kapitalverlusts, schließen sie jedoch nicht aus.

Die Direktkreditvergabe birgt ein klar definiertes Risiko, nämlich das Kreditrisiko des Kreditnehmers. Kommt der Kreditnehmer einer finanziellen Verpflichtung nicht nach und zahlt die Schuld nicht an den Kreditgeber zurück, ist der Anleger in der Regel einem höheren Kapitalverlustrisiko ausgesetzt als in dem Fall, in dem der Kunde Gelder auf ein Bankkonto einzahlt und über eine Einlagensicherung verfügt. Die eigene Analyse und die individuelle Projektauswahl des Anlegers bedingen, dass er das Projekt vorab beurteilen und die Verantwortung für seine Anlageentscheidung tragen muss.

Weitere Risiken umfassen eine begrenzte Liquidität (bei Crowdlending-Forderungen, die üblicherweise keinen vorzeitigen Ausstieg bieten), Länderrisiko, Konzentrationsrisiko sowie die Qualität und Art der für den Kredit verpfändeten Sicherheiten. Renditen sind nicht garantiert, und das Kapital des Anlegers bleibt stets einem Risiko ausgesetzt.

Ist die Direktkreditvergabe reguliert?

Ja, die Direktkreditvergabe ist reguliert, wobei die regulatorische Behandlung je nach Rechtsordnung und Intermediärsstruktur unterschiedlich ausfällt. Maclear ist als Crowdlending-Plattform Mitglied der PolyReg SRO und agiert innerhalb ihres Rahmens im Rahmen der schweizerischen Finanzmarktregulierung. Der rechtliche Status von Maclear stellt keine Garantie dafür dar, dass das investierte Kapital dem Anleger unter allen Umständen zurückgezahlt wird, da keine Garantien wie ein Rückkauf oder eine Einlagensicherung zu seinem Schutz bestehen.

FAQ

Was ist Direktkreditvergabe einfach erklärt?

Direktkreditvergabe bedeutet einfach ausgedrückt, dass der Kreditgeber einem Unternehmen ohne Beteiligung einer Bank direkt Geld gibt. Der Kreditgeber hält die Schuld bis zur Fälligkeit und trägt das Kreditrisiko.

Worin unterscheidet sich die Direktkreditvergabe von einem Bankkredit?

Die Direktkreditvergabe unterscheidet sich von einem Bankkredit hinsichtlich der Kapitalquelle und der Partei, die das Hauptrisiko trägt. Finanziert eine Bank einen Kredit, so tut sie dies aus den Einlagen der Anleger und trägt das Risiko selbst, während bei der Direktkreditvergabe das Risiko vom Anleger oder vom Fonds getragen wird.

Haben Privatanleger Zugang zur Direktkreditvergabe?

Ja, Privatanleger haben Zugang zur Direktkreditvergabe. Dies ist auf zwei Wege möglich: entweder über die neuen EU-Fondsstrukturen, die Privatanlegern Direktkreditdienstleistungen anbieten, oder über eine Crowdlending-Plattform wie Maclear. Auf einer Crowdlending-Plattform kann der Anleger einzelne Forderungen ab einem Mindestbetrag von 50 € erwerben.

Wie werden Renditen bei der Direktkreditvergabe gemessen?

Die Renditen bei der Direktkreditvergabe werden über den AROI gemessen mit der folgenden Formel: AROI = (Erwartete Erträge / Restlaufzeit) * (365 / erworbenes Kapital). Der AROI zeigt jedoch erwartete Renditen; die tatsächlichen Renditen sind nicht garantiert und lassen sich mit dieser Kennzahl nicht vorhersagen, da sie von der Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers abhängen.

Kann ich eine Direktkreditanlage vorzeitig beenden?

Ja, ein vorzeitiger Ausstieg ist jedoch nur eingeschränkt möglich und erfolgt über den Secondary Market. Der Verkauf ist nicht garantiert, und wenn die Forderung 14 Tage lang unverkauft bleibt, wird sie automatisch vom Secondary Market von Maclear genommen. Bei erfolgreichem Verkauf an einen anderen Anleger erhebt Maclear eine Verkäufergebühr von 2,5 %, und für den Käufer gilt eine Haltefrist von 30 Tagen.

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Über Maclear

Maclear AG ist eine Schweizer Plattform für Peer-to-Peer (P2P) Kredite und Crowdlending mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen fungiert als Finanzintermediär im nicht-bancaren Sektor und ist Mitglied von PolyReg SRO, gemäß den schweizerischen Finanzvorschriften, insbesondere in Bezug auf AML, KYC und GDPR. Maclear ermöglicht es privaten und qualifizierten Investoren, auf sorgfältig ausgewählte Unternehmensdarlehen zuzugreifen, mit integrierter Risikobewertung, einem Provision Fund und einem Sekundärmarkt für Liquidität.

Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlage-, Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Peer-to-Peer (P2P) Kredite und Investitionen in Crowdlending bergen das Risiko eines teilweisen oder vollständigen Kapitalverlusts. Frühere Leistungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die Liquidität auf einem Sekundärmarkt ist nicht garantiert. Die Leser werden aufgefordert, eigene Recherchen durchzuführen und qualifizierte Berater zu konsultieren, bevor sie finanzielle Entscheidungen treffen. Die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen kann in bestimmten Rechtsordnungen eingeschränkt sein.